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Partizipien – das Ende der Sprache

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Gendern zur Belustigung: In einer Pressemeldung stand heute etwas über „Fliegende“. Also die Passagiere eines Flugzeugs.

„Fliegende“ klingt, als ob sie bald landen. Oder nach dem Ende des Fliegens überhaupt. Und „Lesende“ der entsprechenden Pressemitteilung wurden natürlich als „Medienvertretende“ angesprochen. Schlimmer wird es nicht mehr? Doch.



(➡️ Kurze Anmerkung für internationale Leser: Sie werden diesen Text übersetzt nicht verstehen können. Es geht um eine neuartige Nutzung deutscher Wörter, die nicht in andere Sprachen übersetzt werden kann. Das „Ende“.)

Partizipien als Missverständnisse

Denn es ist ein Phänomen, das nicht nur Sprachwissenschaftler in Staunen versetzt – und bei dem die Medienbranche munter mitmacht: Die zunehmende Nutzung von Partizipien als geschlechtsneutrale Bezeichnungen sorgt für Missverständnisse – und kuriose Missinterpretationen.

Ein besonders besorgniserregendes Beispiel ist das Wort „Radiohörende“. Klingt fast so, als ob sie das Radiohören bald aufgeben werden.

Ähnlich verhält es sich mit „Autofahrenden“ – sind sie etwa gerade dabei, ihren Wagen für immer am Straßenrand abzustellen? Und „Radfahrende“? Hängen sie das Bike an den Nagel?

Ende der Jagd

Ebenso „Jagende“, die offenbar kurz davorstehen, Gewehr und Pfeil für die Kultur dauerhaft niederzulegen sowie in sofortige Rente zu gehen.

Die Liste der sprachlichen Unsicherheiten ist lang. „Zuhörende“ klingen, als könnten sie im nächsten Moment abschalten, „Lachende“ lassen das Lachen vielleicht nur kurz erklingen, bevor es abrupt verstummt.

Und „Lehrende“? Nun, die könnten doch bitte wenigstens bis zum Unterrichtsende durchhalten.

Die letzten Bissen

Sprachaktivisten argumentieren, dass diese Formulierungen erfrischend dynamisch klingen und die Realität treffend abbilden.

„Schreibende“ tun dies eben nur in diesem Moment – was stimmt. Doch was passiert, wenn „Fliegende“ in der Luft hängen bleiben oder „Fahrende“ mitten auf der Autobahn anhalten?

Wer weiß: Vielleicht sind bald auch „Essende“ nur noch dabei, schnell die letzten Bissen zu kauen, bevor sie in den Zustand des Gesättigtenden übergehen. Oder so ähnlich.

Fazit

Bis dahin wünschen wir allen „Lesenden“ viel Spaß beim Weiterlesen – und allen noch „Lebenden“ toi toi toi. Das Ende der normalen Sprache ist dank solcher Partizipien näher denn je.

„Lachende“ nehmen es mit Humor. Und ansonsten verschonen Sie als „Sprechende“ mich als „Lesenden“ bitte mit solchen sinnbefreiten Pressemeldungen. Danke.

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Sierks Media / © Foto: luismolinero, de.depositphotos.com

Sven Müller

Autor | Redaktion: media@sierks.media